Anderstouren

„Ach komm, das ist doch nur ein Gewitter!“

1100 Kilometer sind es bis zur rettenden Küste, um der sengenden Hitze im Outback zu entgehen. Wir treten die lange Fahrt schweren Herzens an. Aber jeder weitere Tag hier draußen wäre einfach zu gefährlich. Natürlich werden wir uns ständig nach den kargen Weiten, dem herrlichen sandigen Track, der Einsamkeit und den leuchtenden Sternen zurücksehnen. Doch in diesem Fall siegt wohl die Vernunft.

Auf dem Goldfields Highway passieren wir einige winzige Städtchen wie Leonora und Menzies, von denen nach dem Abebben des Goldrausches nicht viel übrig geblieben ist. Kurz vor Kalgoorlie ziehen dann schwarze Wolken auf und ein Gewitter braut sich zusammen. Wir betrachten die mächtigen Wolkenberge voller Staunen, durch die immer wieder Blitze zucken und dann passiert es wirklich: Es fallen einige Regentropfen. Auf der ausgedorrten, heißen Erde verdampfen sie augenblicklich und wenig später hängt der schwere Geruch von warmen Regen in der Luft.

Wir beobachten das Schauspiel am Himmel fasziniert, während wir in den Burra Rock Conservation Park unterhalb von Coolgardie fahren. Dort wollen wir die Nacht verbringen. Durch das Gewitter ist es schon etwas abgekühlt und wir verbringen einen herrlichen Abend auf einer einsamen Campsite mitten im Busch. Dabei ist es schon erstaunlich, dass einfach niemand hier draußen ist. Über Nachthimmel zucken immer noch Blitze und irgendwann antwortet auch der Donner mit einem unheimlichen Grollen aus verschiedenen Richtungen. Außerdem fällt mir ein rötlicher Schein am Himmel auf, der mir schon etwas Sorgen macht.. „Ach komm, es ist doch nur ein Gewitter!“ beruhigt mich Christian. „Kein Grund zur Sorge, hier im Auto sind wir schließlich in Sicherheit.“

So gehen wir schlafen und wundern uns am nächsten Tag schon ein wenig, als beim Frühstück ein Ranger an diesen einsamen Fleck gefahren kommt, um nach dem Rechten zu sehen. Es gäbe mehrere Buschfeuer, erklärt uns der Mann. Diese seien aber alle noch ungefähr 30 „ks“ entfernt. Also dürften wir in Sicherheit sein. Okay? Etwas verunsichert klettern wir auf den Burra Rock hinauf, ein Granitfelsen, von dem wir den Busch überblicken können. Und tatsächlich: Aus dem schier unendlichen Blätterdach steigt an mehreren Stellen Rauch auf. Der Busch brennt! Das gibt’s doch nicht. Sind dort etwa die Blitze eingeschlagen und haben den Busch in Brand gesetzt?

Am Burra Rock

Wir fahren weiter nach Süden, fahren auf dem Eyre Highway bis Balladonia und von dort aus über einen 4WD-Track hinunter in den Cape Arid Nationalpark. Ein Schild weist daraufhin, dass der Track bei Nässe unpassierbar ist. Klar, er besteht nur aus gepresstem Lehm, der sich in ein Schlammbad verwandeln wird, wenn hier Regen fällt. Aber der Himmel ist strahlend blau und warum sollten wir dann nicht in den Track einfahren?

Nach 2 Stunden sieht das Ganze aber anders aus: Wieder hat sich der Himmel verdunkelt und Blitze erhellen das Firmament. Mist. Eine Weile gelingt es uns noch, dem Unwetter zu entkommen, doch dann beginnt es natürlich zu regnen. Auf dem Track bilden sich tiefe Schlammpfützen, die uns zu einigen Umfahrungen zwingen. Gleichzeitig kommen die Kängurus überall aus dem Busch und beginnen durstig aus den Pfützen zu saufen. Das trockene Land nimmt den Regen dankbar an, nur uns kommt er etwas ungelegen. Dennoch gelingt es uns, bis zu einem winzigen Buschcamp am Mount Ragged vorzudringen. Dort schlagen wir unser Lager auf und sitzen das Unwetter einfach in der Kabine aus. Dabei läuft die Heizung, wir haben lange Hosen, Pullover an und holen auch noch die Wolldecken heraus. Die Temperatur ist auf 17 Grad gefallen!! Das sind beinahe 30 Grad weniger als zwei Tage zuvor und durch den halsbrecherischen Temperatursturz frieren wir wie die Schneider. In unsere Decken gewickelt, gehen wir dann irgendwann schlafen…

Mitternacht: Jemand klopft gegen unsere Tür, eine Männerstimme redet, ich werde aus dem Schlaf gerissen. Große Güte! Wo bin ich, wer bin ich und wer ist das da draußen? Es ist ein Ranger, der uns vor dem anrollenden Buschfeuer warnen will. Das ist ein Scherz oder? Die kommen mitten in der Nacht hier raus ins absolute Nichts gefahren, um zwei Camper zu wecken? Wir sollen nicht in den Süden weiterfahren, da es dort brennt und die Feuer unberechenbar seien. Bis morgen früh dürften wir aber hier in Sicherheit sein. Na ganz toll. Da tobt ein Buschfeuer ganz in der Nähe und wir sollen jetzt seelenruhig weiter schlafen? Doch er steigt wieder in sein Auto und braust davon… Ich werde erst jetzt richtig wach und mir fallen tausend Dinge ein, die ich den Ranger gerne noch gefragt hätte. Doch dafür ist es jetzt zu spät…

Am nächsten Tag können wir eine dunkle Rauchsäule erkennen, die bedrohlich über dem Busch aufsteigt. Die Straße in den Süden ist tatsächlich gesperrt, wegen Buschfeuer. Nicht zu fassen. Also hat auch hier der Blitz eingeschlagen und das trockene Unterholz im Nu in ein Inferno verwandelt. Kopfschüttelnd fahren wir auf dem selben Track gen Norden, den wir am Abend zuvor gekommen sind. Ein Gewitter scheint in Australien also doch nicht ganz so harmlos zu sein, zumindest nicht, wenn man im Busch unterwegs ist…

2 Kommentare

  1. Hallo Sonja und Christian,
    so spannend zu lesen. Wir sind jedesmal traurig, wenn es zu Ende ist. Aber es geht ja bald weiter, dass wir von euren Abenteuern lesen können. Bleibt gesund und weiterhin tolle Abenteuer.
    „Abenteuer beginnt, wo die Planung aufhört“.
    Ganz liebe Grüße Petra und Martin

    1. Wie schön, dass Euch unser Blog gefällt! 4 Berichte kommen in den nächsten Tagen noch. Ich hatte da draußen einfach überhaupt kein Internet, um mal etwas hochzuladen.

      Alles Liebe,
      Sonja

      P.S. die Planung für die nächste Australienreise ist schon wieder angelaufen 😉

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